Brauchtum

Bräuche und Traditionen an der Nordsee

Was macht eigentlich den Charakter einer Region aus? Und wie ist es möglich, authentische Einblicke in diesen Charakter zu erhalten? Die Antwort auf diese Fragen ist alles andere als einfach. Aber ein erster Schritt ist es sicherlich, mit offenen Sinnen zu entdecken, was sich alles für Geschichten inmitten der reizvoll-rauen Nordsee-Landschaft verbergen. Zu lauschen, was die Menschen zu erzählen haben. Und zu verstehen, welche Bräuche und Traditionen ihrem Leben seit Jahrhunderten einen Rahmen geben. Wer sich auf diese Entdeckungsreise begibt, wird staunen, wie gut das zusammenpasst: hier treffen alte Überlieferungen auf moderne Denkweisen, Alltag trifft auf Festlichkeiten und alles in allem wächst das Gefühl, Schritt für Schritt besser zu verstehen, was das eigentlich ist – dieses ganz eigene Nordsee-Lebensgefühl.

Gruenkohl Teller

Suchst du ein paar Anregungen, welche typischen Bräuche der Nordsee du an der Küste, im Binnenland und auf den Ostfriesischen Inseln miterleben kannst? Dann ist diese Liste wie für dich gemacht:

Anbaden

Das Anbaden an der niedersächsischen Nordsee ist nicht nur eine erfrischende Tradition, sondern ein lebendiges Ritual, das den Beginn der Badesaison gebührend einläutet. Mutige Nordseeliebhaber wagen sich in die erfrischenden Fluten, um das neue Jahr symbolisch mit frischem Wind und klaren Zielen zu beginnen. Diese gesellige Tradition bringt Menschen zusammen, stärkt den Teamgeist und verbindet die Freude am Meer mit der Aussicht auf spannende gemeinsame Unternehmungen. Ein erfrischender Start in eine aufregende Zeit an der Nordsee.

Boßeln

Vielleicht ist dir an einer Straße in Ostfriesland schon einmal ein Schild mit der Aufschrift „Achtung, Boßelstrecke!“ begegnet und du hast dich gefragt, was es damit auf sich hat? Das Boßeln ist ein Brauch, der Bewegung und Geselligkeit miteinander verbindet. Er wird schon seit vielen Jahrhunderten betrieben. Ursprünglich war er wohl dazu gedacht, die Menschen in den kalten Wintermonaten zu körperlicher Betätigung zu motivieren – mittlerweile rollt die Boßelkugel aber das ganze Jahr hindurch.

Und so funktioniert es: Eine Mannschaft besteht in der Regel aus fünf Spielern. Sie schleudern nacheinander die Kugel aus Holz oder Gummi die Straße entlang – und zwar so lange, bis eine festgelegte Strecke überwunden ist. Gewonnen hat die Mannschaft, die die Strecke mit den wenigsten Würfen überwindet. Es gibt allerdings auch regionale Varianten dieser Spielregeln. Die wichtigste Grundregel ist vielleicht, dass Spaß und Geselligkeit im Vordergrund stehen. Und das man sich nicht von den „Käklern und Mäklern“ verunsichern lassen sollte, die mit einer guten Portion nordischer Bissigkeit das Können der Gegenspieler kommentieren.

Das Ostfriesenabitur: Als Besucher in Ostfriesland kannst du noch eine ganz besondere Prüfung ablegen: Beim Ostfriesenabitur wirst du darauf geprüft, ob du die nötigen Fähigkeiten und das Wissen für eine „Einbürgerung“ mitbringst. Dabei geht es in Disziplinen wie Boßeln, Kuhmelken, Teetrinken oder Krabbenpulen natürlich vor allem spaßig zu. Die Idee stammt aus der Stadt Wittmund, heute wird das unterhaltsame Programm für Gruppen aber auch an vielen anderen Orten angeboten.

Mehr zum Ostfriesenabitur

Grünkohl ist an der Nordsee Kult – und das liegt nicht nur an seinem Geschmack, sondern vor allem daran, dass sich rund um das Kohlgemüse einige Bräuche ranken, bei denen neben dem kulinarischen Genuss vor allem Spaß und Geselligkeit im Vordergrund stehen. In den Herbst- und Wintermonaten ziehen Gruppen, Vereine und auch so manches ansässige Unternehmen los: auf Kohlfahrt wird geschnackt, gerne auch geboßelt, und nicht selten der ein oder andere Schluck von Getränken aus dem mitgeführten Bollerwagen genommen. Das Ziel: Ein Gasthaus, in dem das dampfend heiße Gericht bereits auf die Grünkohl-Fans wartet. In vielen Gemeinden werden auch Kohlkönige gekürt.

Martinisingen

Wer am Abend des 10. November aus dem Fenster schaut, wird vielleicht über kleine bunte Lichter staunen, die die Straßen entlanglaufen… Was kann das sein? In Ostfriesland und an der Nordseeküste ist die Antwort klar: Das sind Kinder, die mit Laternen von Haus zu Haus ziehen, oft sind sie dabei auch verkleidet. Sie tun das an diesem Tag, da es sich um den Geburtstag Martin Luthers handelt – und der Reformator in der protestantisch geprägten Gegend auch heute noch eine große Bedeutung hat. Bei ihrem Umzug singen die Kinder traditionelle Lieder und werden an so mancher Tür mit Süßigkeiten für ihre Darbietungen belohnt.

Ostfriesische Teezeremonie

Wenn wir über die Nordsee und Brauchtum sprechen, darf natürlich die traditionelle Teezeremonie nicht fehlen. Ihr haben wir ein ganzes Kapitel gewidmet!

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